zemdg-papers

In unserer neuen Reihe “zem::dg-papers” veröffentlichen wir ausgezeichnete Abschlussarbeiten, Studien und Impulse aus dem Bereich der Medienethik. Die Reihe wird von Prof. Dr. Klaus-Dieter Altmeppen von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Prof. Dr. Alexander Filipović von der Hochschule für Philosophie herausgegeben. Die einzelnen Bände stehen alle unter Open Access und können über die Internetseite des zem::dg heruntergeladen werden.

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Beyond the Bubble

Kurzzusammenfassung:

Filter bubbles, echo chambers, information cocoons: The digital revolution has changed the way we communicate with profound implications for how we participate in the space we call “the public.” Digital trends toward network architectures, personalized individuality and automated workflows are driving a transformation of the public with significant impact on the institutions making up this public sphere. What, then, is this “public” sphere today? 

Abstract, monolithic conceptions of the one coherent public appear outdated, since technological changes like the rise of social media, as well as the modern appreciation of individualism, human tendencies towards a confirmation bias, and the postcolonial focus on contextual experience have created or reinforced a diverse spectrum of filtered publics that do not fulfill the criteria associated with the public sphere. Can we even continue to use the term?

Bedford-Strohm, Jonas (2017): Beyond the Bubble. The Digital Transformation of the Public Sphere and the Future of Public Institutions. München, Eichstätt (zem::dg-papers, 1).

ISBN (print) 978-3-947443-00-0

ISBN (digital) 978-3-947443-01-7

DOI 10.17904/ku.edoc.21157

 

Jonas Bedford-Strohm ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Medienethik der Hochschule für Philosophie München und assoziierter Mitarbeiter am Zentrum für Ethik der Medien und der Digitalen Gesellschaft (zem::dg). Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf den digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit und die ethischen Implikationen disruptiver Technologien. Er arbeitet neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit im Innovationsmanagement des Bayerischen Rundfunks, wo er Medien-Anwendungen für intelligente Sprachassistenten entwickelt.

Studiert hat Jonas Bedford-Strohm Theologie, Politische Theorie und Philosophie in Heidelberg, Stellenbosch (Südafrika) und Yale (USA). Als Journalist schreibt er über Religion, internationale Politik und politische Kultur, unter anderem auch aus der Perspektive digitaler Ethik. Als Co-Autor veröffentlichte er “Wer’s Glaubt, Wird Selig” (2013), ein Dialog zu den Grundfragen des Christentums. Als Gründungsmitglied arbeitet er im Vorstand der Organisation Wikwiheba, die Jugendliche in Ruanda mit Mahlzeiten, Schulstipenden, Berufsausbildungen, Projekten in Landwirtschaft, Kunst und nachhaltiger Infrastruktur, sowie bei Existenzgründungen unterstützt. Mit Andrew Doss gründete er die Strategieberatung The Lighthouse Group.
 

Jenseits der Blase: Der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit und die Zukunft öffentlicher Institutionen

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir kommunizieren, und hat dadurch auch weitreichende Implikationen für die Art und Weise, wie wir an dem Raum teilnehmen, den wir “öffentlich” nennen. Die vorliegende Studie untersucht den digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit und analysiert drei entwicklungstreibende Trends — Netzwerkarchitekturen, personalisierte Individualität und automatisierte Arbeitsabläufe — besonders im Hinblick auf Diskurs und Möglichkeit digitaler Handlungskompetenz.

Die Kernthese der Studie ist, dass sich abstrakte, monolithische Konzeptionen der einen kohärenten Öffentlichkeit überholt haben, weil technologische Veränderungen wie die Verbreitung sozialer Medien, die moderne Wertschätzung des Individualismus, menschliche Tendenzen zum Confirmation Bias, sowie das postkoloniale Interesse an kontextueller Erfahrung, ein diverses Spektrum an gefilterten Teilöffentlichkeiten hervorgebracht haben, die für sich allein genommen jeweils nicht die Kriterien erfüllen, die mit dem Konzept der Öffentlichkeit bisher assoziiert wurden. Sollten wir den Begriff überhaupt noch benutzen?

Indem sie Interkontextualität als Rückgrat des Öffentlichen und den Grad der Interkontextualität kontextueller Kommunikation als den Maßstab ihres Öffentlichkeitsgrades versteht, schlägt die Studie eine theoretische Schneise zwischen relativistischem Kontextualismus und abstraktem Universalismus. Sie plädiert für eine pragmatistische Spielart eines relationalen, interkontextuellen und kommunikativen Universalismus, der kontextuelle Erfahrung ernst nimmt und wertschätzt, aber den Fokus auf spezifische Kontexte nicht absolut setzt und nach dem Verbindenden fragt, das über die Blasen teil-öffentlicher Kommunikation hinausgeht.

Da der Diskurs über öffentliche Kommunikation maßgeblich von den institutionellen Formen der garantierten Freiheit der liberalen Demokratie beeinflusst wird, und diese selbst wiederum beeinflusst, interpretiert diese Studie den digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit als eine grundlegende Transformation der Bedingung für die Möglichkeit öffentlicher Institutionen. Sie bringt theoretische Erkenntnisse aus verschiedenen akademischen Disziplinen, sowie empirische Analysen des Vertrauens in Institutionen in Anschlag, um die Diskussionen der Ethik öffentlicher Institutionen im digitalen Zeitalter inhaltlich anzuregen und neu zu durchdenken.

Diese Studie richtet sich einerseits an die akademische Öffentlichkeiten der praktischen Philosophie, der politischen Theorie und der angewandten Ethik, und bereichert diese Diskurse mit theoretischen Analysen der journalistischen, politischen und technologischen Praxis, die durch ihren gesellschaftlichen Einfluss auch die theoretische Zunft zu einer Aktualisierung ihres Öffentlichkeitsbegriffs zwingen. Die Studie richtet sich andererseits aber auch an Führungskräfte in Politik, Wirtschaft, Medien, Kirchen und öffentlicher Verwaltung, die auf den je eigenen Gebieten in den je eigenen Kontexten auf eine ethisch auskunftsfähige Gestaltung der Digitalisierung drängen und aus der theoretischen Reflexion Orientierungswissen für ihre Arbeit gewinnen wollen.

Beyond the Bubble: The Digital Transformation of the Public Sphere and the Future of Public Institutions

 The digital revolution changes the way we communicate, and thus has profound implications for how we participate in the space we call “public.” This thesis examines the digital transformation of the public sphere, and analyzes three trends driving the transformation — network architecture, personalized individuality, and automated workflows — in the context of the discourse on digital agency.

The core thesis of this study is that abstract, monolithic conceptions of the one coherent public are outdated, because technological changes like the rise of social media, the modern appreciations of individualism, human tendencies towards confirmation bias, and postcolonial interests in contextual experience, create a diverse spectrum of filtered publics that do not fulfill the criteria traditionally associated with the concept of the public sphere. Can we even continue to use the term?

By understanding intercontextuality as the backbone of the public sphere, and the degree of intercontextuality in contextual communication as the hallmark for its publicness, this study seeks to find a path between relativistic contextualism and abstract universalism. It advocates a pragmatist brand of relational, intercontextual, and communicative universalism that appreciates context, but does not absolutize it.

Finally, since the discourse on public communication significantly impacts and is impacted by the institutional forms of guaranteed freedoms in liberal democracies, this study interprets the digital transformation of the public sphere as a significant transformation of the conditions for the possibility of public institutions. It uses theoretical insights from a variety of academic disciplines, as well as empirical analysis of the trust in institutions to stimulate the discussion on the ethics of public institutions in the digital age.

This study is written for both theory and praxis. On one hand, it targets the academic publics of practical philosophy, political theory and applied ethics, and enriches their discourses with theoretical analysis of those journalistic, political and technological practices that force a conceptual update of the public sphere through sheer societal impact. On the other hand, this study also targets leaders in both the public and the private sector, as well as the (public) media, churches and civil society. The study is written for those leaders who work towards an ethically responsible digital transformation in their respective contexts and want to use theoretical reflection to distill orienting knowledge for their own work.

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