Medien und Wahrheit – Einladung zur Jahrestagung des Netzwerks Medienethik 2020

Die “Fake News” stehen seit längerem im Zentrum medienkritischer Debatten. Das Netzwerk Medienethik geht bei seiner Jahrestagung im Februar 2020 dem Problem der Wahrheit auf den Grund. Die Herausforderungen von “Künstliche Intelligenz”, Daten und Algorithmen stehen dabei im Zentrum. – Im Programm: Spannende und bekannte Rednerinnen und Redner sowie Paper aus aktueller Wissenschaft. Herzliche Einladung!

Der Informationsaustausch ist im Netz dichter und vielfältiger geworden. Gerüchte und Stammtischparolen können je nach Plattformlogik direkt neben journalistischer Berichterstattung erscheinen. Nicht immer ist nachvollziehbar, von wem welche Inhalte im netzöffentlichen Raum stammen und welche Absichten durch das Publizieren verfolgt werden.

 

Die Demokratisierung der Öffentlichkeit gelingt durchaus, etwa durch eine gestiegene Vielfalt an Publikationen, einem breiteren Meinungsspektrum und einer breiteren Beteiligung am öffentlichen Diskurs. Der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit zeigt aber auch damit verbundene ethische Problemlagen – “Fake News” und “Deep Fakes” sind dabei Probleme unter anderen.

Infos zur Veranstaltung:

  • Termin:
    Mi 19. – Fr 21. Februar 2020
  • Ort: München, Hochschule für Philosophie, Kaulbachstr. 31, 80539 München (U-Bahn „Universität“)
  • Anmeldeschluss:
    10. Februar 2020.

Wahrheit und Sorgfalt

Die Tagung wird anhand verschiedener Themenkomplexen und Fallbeispiele die erkenntnistheoretische Frage nach Wahrheit stellen, die medienethischen Forderung nach Wahrheit und Sorgfalt im Journalismus reflektieren, aber auch Unterhaltungsformen und Social-Media-Veröffentlichungen nicht-journalistischer Akteure mit Blick auf die Wahrheitsnorm analysieren.

Am Vorabend der Jahrestagung (Mittwochabend) findet in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften eine Vortrags-Veranstaltung in Kooperation mit der Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Faktizität der Welt“ der Akademie statt.

Das Netzwerk Medienethik, seit über 20 Jahren der Treffpunkt der Kommunikations- und Medienethik in Wissenschaft und Praxis, behandelt die Wahrheitsnorm der Medien auf seiner Jahrestagung 2020.

Das Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg) tritt dem Wertebündnis Bayern bei

Das
Zentrum für Ethik der Medien und der
digitalen Gesellschaft (zem::dg)
ist seit dem 12.11.2019 Teil des Wertebündnis Bayern. Gemeinsam stark für
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
. Das Bündnis mit Sitz in München umfasst
rund 180 Organisationen und widmet sich der Wertebildung bei Kindern, Jugendlichen
und jungen Erwachsenen. Im März 2010 wurde es durch den bayerischen
Ministerpräsidenten ins Leben gerufen.

Werte
bilden die Grundlage für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Vor allem im
digitalen Raum werden begründete Wertehaltungen und fundiertes Wertebewusstsein
immer bedeutsamer. Besonders Kinder und Jugendliche gilt es, für einen
wertekompetenten Umgang mit Smartphone und Co. zu sensibilisieren.

Überreichung der Mitgliedsurkunde zum Beitritt ins Wertebündnis bei der Wertebündnissitzung am 12.11.2019 im Museumspädagogischen Zentrum München.
Foto: Kathrin Demmler, JFF

Als Teil des Wertebündnis Bayern liefert das zem::dg in Zukunft wichtige Impulse für die Wertebildung bei Kindern und Jugendlichen. Bereits jetzt kann das Zentrum durch seine Forschungstätigkeiten, wie im gemeinsam mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig durchgeführten Projekt MeKriF – Flucht als Krise. Mediale Krisendarstellung, Medienumgang und Bewältigung durch Heranwachsende am Beispiel Flucht Erfahrungen und Erkenntnisse zur Fragen der ethischen Urteilsbildung in das Bündnis mit einbringen. Neben seinen Aktivitäten im Bereich der Forschung und Wissenschaft engagiert sich das zem::dg auch bei der praktischen Entwicklung von Wertebildungsprojekten wie der Initiative Werte machen Schule des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Durch seine Beteiligung im Wertebündnis kann das zem::dg den Austausch mit Praxispartnern_innen aus der Jugendarbeit und der Wertebildung intensivieren, um gemeinsam Projekte zur Förderung von Wertekompetenz zu entwickeln und zu unterstützen.

Das zem::dg ist eine Kooperationseinrichtung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Hochschule für Philosophie München. Seit seiner Gründung im Herbst 2016 setzt es sich in Forschung, öffentlicher Debatte und Bildung dafür ein, ethische Fragestellungen der Medien und der digitalen Technologien sichtbar zu machen.

Ethik, Recht & die Frage nach unternehmerischer Verantwortung in Zeiten der Digitalisierung

Rückblick auf die Abendveranstaltung „Medien: Ohne Daten kein Gewinn?“ mit Prof. Dr. Dirk Heckmann

„Weshalb sollten sich Unternehmen an ethische Leitlinien halten, wenn digitale Plattformen bereits bestehende Rechtsvorschriften nicht beachten?“, mit dieser provokanten Frage eröffnete Prof. Dr. Dirk Heckmann von der Technischen Universität München auf unserer Abendveranstaltung „Medien: Ohne Daten kein Gewinn?“ die Diskussion. Rund um die Frage „Corporate Digital Responsibility“ (CDR) wurden an dem Abend gemeinsam mit rund dreißig geladenen Gästen das Verhältnis von Ethik und Recht ausgelotet, zentrale Werte- und Normvorstellungen überdacht sowie über Handlungsalternativen debattiert. Schlagworte wie „Vertrauen“ und „Verantwortung“ standen im Zentrum des regen Austauschs. Moderiert wurde der Abend von den beiden Leitern des zem::dg, Prof. Dr. Klaus-Dieter Altmeppen und Prof. Dr. Alexander Filipović.

Die Veranstaltung fand am 15. Oktober 2019 n den Räumen der Bibliothek der Hochschule für Philosophie München in Kooperation mit unserem Kooperationspartner dimension2 economics & philosophy consult GmbH statt.

Nachfolgende Bildergalerie soll die Impressionen des Abends vermitteln und bereits die Neugier auf unsere kommenden Veranstaltungen im Kontext der Reihe „Medienethik in der Bibliothek“ wecken.

Neuer Titel der Publikationsreihe zem::dg-papers beschäftigt sich mit dem Thema „Livestreaming nach Gewalttaten“

Mit dem Titel „Livestreaming nach Gewalttaten. Ethische Grenzen journalistischer Berichterstattung“ von Jeanne Jacobs erscheint mittlerweile bereits der dritte Band in der noch jungen Publikationsreihe „zem::dg-papers“.

Jeanne Jacobs beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Frage danach, inwieweit bestehende ethische Leitperspektiven für die Liveberichterstattung noch praktikabel sind. Um diese Frage zu untersuchen, hat sie sechs Journalistinnen und Journalisten interviewt, die mit dieser Form der Liveberichterstattung gearbeitet haben. Ihre Erfahrungen liefern neben der theoretischen Betrachtung ethischer Grundlagen journalistischer Liveberichterstattung Hinweise darauf, welche Herausforderungen Journalistinnen und Journalisten in Situationen nach Gewalttaten erwarten und wie sie diesen begegnen können.

In der Reihe „zem::dg-papers“ werden ausgezeichnete Abschlussarbeiten, Studien und Impulse aus dem Bereich der Medienethik veröffentlicht. Auf diese Weise erhalten Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler die Möglichkeit, ihre Forschungsarbeiten einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Reihe wird von Prof. Dr. Klaus-Dieter Altmeppen von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Prof. Dr. Alexander Filipović von der Hochschule für Philosophie herausgegeben. Alle Bände stehen unter Open Access und können einfach über die Plattform KU.edoc heruntergeladen werden. Zusätzlich erscheinen die einzelnen Titel auch in einer geringen Auflage in Printform und können auf Nachfrage hin gegen eine geringe Gebühr über das zem::dg erworben werden.

Eine Veröffentlichung von (Abschluss-)Arbeiten in den zem::dg-papers ist für alle im Bereich der Medienethik Tätige möglich. Bei Interesse an einer Publikation in unserer Reihe nehmen Sie doch einfach Kontakt mit uns auf.

Feierliche Eröffnung des Bayerischen Kompetenznetzes „Medien – Ethik – Bildung“ in Erlangen

Medienethik ist heute eine Kompetenz, die jeder Mann und jede Frau braucht, um sich im Netz bewegen zu können.

Prof. Johanna Haberer,
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg


Doch was bedeutet eigentlich medienethisch-verantwortliches Handeln im Netz? Und wie kann man eine breite Öffentlichkeit für medienethische Herausforderungen sensibilisieren?

Um diesen Fragestellungen nachzugehen, das bestehende Angebot an Bildungsangeboten zum Thema „Medienethik“ auszubauen, zu vernetzen und sichtbar zu machen, wurde das Bayerische Kompetenznetz „Medien – Ethik – Bildung“ ins Leben gerufen. Im Rahmen der Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des Masterstudiengangs „Medien – Ethik – Religion“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurde das Kompetenznetz am 19. Juli 2019 feierlich eröffnet.

Eingerahmt wurde die Gründung des Kompetenznetzes von spannende Vorträgen zu verschiedenen medienethischen Fragestellungen. So referierte etwa Prof. Friedrich Kraft über journalistische Sprachethik und Prof. Dr. Thomas Zeilinger eröffnete bei seiner Antrittsvorlesung mit dem Titel „Die Medienethik und der Heilige Geist“ einen theologischen Blick auf den Fachbereich.


Das Kompetenznetz „Medien – Ethik – Bildung“ ist ein Zusammenschluss von Einrichtungen rund um das Thema „Medienethik“ und engagiert sich für Bildungsangebote zu den medienethischen Herausforderungen einer digitalen Welt. Die beteiligten Expertinnen und Experten stammen aus unterschiedlichen Bereichen und bringen so vielfältige Perspektiven etwa aus der Philosophie oder Theologie, aus den Kommunikations- und Medienwissenschaften sowie aus der Medienpädagogik mit ein.

Im Rahmen des Kompetenznetzes wurden bereits drei Online-Kurse zu medienethischen Fragestellungen erstellt, weitere sind in Planung.

Weitere Informationen rund um das bereits bestehende Kursangebot und das Kompetenznetz finden Sie auf dessen Internetseite.

Medienethik für alle

Über die neu eröffnete Online-Plattform OPEN vhb ist der Online-Kurs „Medienethik. Themen & Diskurse“ ab sofort frei zugänglich

Teaser-Video zum OPEN vhb-Kurs “Medienethik. Themen & Diskurse”

In was für einer Medien-Gesellschaft möchten wir leben? Medienethische Fragestellungen gehen alle an – und so ist es nur konsequent, dass über die neu eröffnete Plattform OPEN vhb – einem offenen Online-Kursangebot der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) – ein Online-Kurs zum Thema angeboten wird. Der Kurs möchte eine breite Allgemeinheit einerseits für die Bedeutung von medienethischen Herausforderungen sensibilisieren und andererseits zu einem bewussten und verantwortungsvollen Medienumgang motivieren. Hinter dem Kurs stehen die Mitglieder des neu gegründeten Bayerischen Kompetenznetzes „Medien – Ethik – Bildung“, einer Kooperation des Zentrums für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (Prof. Dr. Klaus-Dieter Altmeppen und Prof. Dr. Alexander Filipović), sowie der Christlichen Publizistik (Prof. Johanna Haberer und Prof. Dr. Thomas Zeilinger), der Medienethik (Prof. Dr. Christian Schicha) und der Medienpädagogik (Prof. Dr. Rudolf Kammerl) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.  

Ausgangspunkt für den neu entwickelten Kurs ist der CLASSIC vhb-Kurs „Medienethik. Themen & Diskurse. Ein interaktiver Grundkurs“, der bereits seit zwei Jahren erfolgreich von Studierenden der bayerischen Hochschulen genutzt wird. Durch die OPEN vhb-Plattform gibt es nun die Möglichkeit, entsprechende Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierzu wurde der Kurs überarbeitet und mit zusätzlichen multimedialen und interaktiven Elementen angereichert um den Bedürfnissen der heterogenen Zielgruppe gerecht werden zu können.

Neben dem Medienethik-Online-Kurs werden auf der OPEN vhb-Plattform weitere Kurse aus unterschiedlichen Disziplinen auf Hochschulniveau angeboten. Ziel der OPEN vhb ist es, so steht es in der Pressemitteilung zur Eröffnung der Plattform, Bildungswerte zu schaffen, das lebenslange Lernen in der Gesellschaft zu fördern und dafür verlässliche Informationen zu bieten. Auch Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert, Präsident der Virtuellen Hochschule Bayern und Präsident der Universität Bamberg betont die Bedeutung eines offenen Bildungsangebots: 

„Es gibt viele Gründe und Motive für lebenslanges Lernen aus eigenem Antrieb. Sei es der eigene Wunsch nach mehr Wissen zu politischen und gesellschaftlichen Themen, nach fachspezifischem Wissen, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben oder einfach die Freude am Lernen: Wissen ist die entscheidende Kompetenz in einer Wissensgesellschaft. Entsprechend eröffnen wir Chancen – davon sind wir überzeugt“.

Die OPEN vhb wurde im Rahmen des Masterplan „Bayern Digital II“ wurde von der bayerischen Staatsregierung auf den Weg gebracht und am 9. Juli 2019 von Staatsminister Bernd Sibler feierlich in München eröffnet. Die 31 Trägerhochschulen der Verbundeinrichtung vhb, darunter die neun staatlichen Universitäten und 17 Hochschulen für angewandte Wissenschaften, kooperieren seit fast 20 Jahren und bieten hochschulübergreifend Online-Lehre für das reguläre Studium in Bayern an. Mit der OPEN vhb wird dieses Modell nun um offene und kostenfreie Angebote erweitert.

Teaser-Video der OPEN vhb-Plattform

Foto (von links nach rechts): Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert, Präsident der Virtuellen Hochschule Bayern und Präsident der Universität Bamberg Bayern, Bernd Sibler MdL, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Dr. Steffi Widera, Geschäftsführerin vhb, Prof. Dr. Robert Grebner, Vizepräsident der vhb und Präsident der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Wirsing, Vizepräsident der Ludwig-Maximilans-Universität München

Linktipps

Veranstaltungstipp: Tagung „Flucht, Migration und Integration in den Medien“ am 11. Bis 13. Juli 2019

Am 11. bis 13. Juli 2019 findet im  Haus der Universität Düsseldorf die interdisziplinäre Tagung des Forschungsprojektes „Flucht als Krise. Mediale Krisendarstellung, Medienumgang und Bewältigung durch Heranwachsende am Beispiel Flucht“, das das zem::dg aus medienethischer Perspektive heraus begleitet, statt.

Auf der Veranstaltung werden Forschungsergebnisse zum Themenfeld „Flucht, Migration und Integration in den Medien präsentiert und diskutiert, Einblicke in die Praxis gegeben sowie gesellschaftspolitische Konsequenzen aktueller Forschungsergebnisse in Runden Tischen diskutiert.

Nähere Informationen zum Tagungsprogramm sowie Anmeldemöglichkeiten finden Sie auf der offiziellen Internetseite des Forschungsprojektes.

Die wichtigsten Daten im Überblick:

Veranstaltungsort:
Haus der Universität Düsseldorf
Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf

Rahmendaten:

  • 11. Juli 2019: Get together (ab 18:30 Uhr)
  • 12. Juli 2019: Tagungstag (inkl. gemeinsamem Abendessen)
  • 13. Juli 2019: Tagungstag (Ende voraussichtlich gegen 14 Uhr)

Lesetipp: „Unsere Kirche braucht mehr Start-up-Kultur“

Unser Fellow Jonas Bedford-Strohm im ZEIT-Interview mit seinem Vater Heinrich Bedford-Strohm.

Das Video „Die Zerstörung der CDU“ des You-Tubers Rezo
verzeichnet mittlerweile über 14 Millionen Aufrufe. Es zeigt: Mit digitalen
Medien können auch ernsthafte Themen angesprochen werden. Sie können die
öffentliche Debatte bereichern. Doch wie kann das funktionieren? Und kann das
Video vielleicht auch ein Vorbild und Impulsgeber für große Institutionen wie
die Kirchen sein?

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat
das Phänomen „Rezo“ aufgegriffen um gemeinsam mit unserem Fellow Jonas
Bedford-Strohm und seinem Vater, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche
Heinrich Bedford-Strohm, darüber zu sprechen, was deutsche Pfarrerinnen und
Pfarrer von dem Pfarrerssohn Rezo lernen können, um ihre Themen einer weiten
Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei werden auch die Schattenseiten des
Netzes nicht ausgeblendet und zentrale ethische Fragestellungen wie etwa von
Social Media & Co. diskutiert. 

Das vollständige Interview, geführt von Sebastian Kempkens, können Sie auf der Internetseite der Zeitung „Die Zeit“ über diesen Link aufrufen. Zudem erschien es in gedruckter Form in der Ausgabe vom 6. Juni 2019 (DIE ZEIT Nr. 24/2019).

Ethikdebatte in der KI – Alles nur ein Fake?

Die Big Player der Technikindustrie wie Google, Facebook, Microsoft, IBM verbindet derzeit alle eine Sorge: Ethikrichtlinien Künstlicher Intelligenz. In ihrem Artikel in dem digitalen Magazin Republik Alles nur Fake Ethik vom 22.05.2019 weisen Anna-Verena Nosthoff und Felix Maschewski auf zentrale Aspekte in der aktuellen Debatte um ethische Richtlinien der KI hin.

Es verhält sich dabei gewissermaßen wie in einem Flug. Das Pilotenteam zum Ziel „Ethikrichtlinien für KI“ wird indessen zwar noch gesucht, aber es klingt seitens der Technikkonzerne bereits so: bitte lehnen Sie sich zurück, vertrauen Sie uns – wir fliegen Sie entspannt hin!

Dabei hat Google seinen Ethikrat unlängst wieder auflösen lassen, bevor dieser das Licht der Welt auch nur erblicken durfte. Also das eigentlich entsprechende Pilotenteam vor Flugantritt schon wieder entlassen. Microsoft hat indessen zwar einen Ethikrat etabliert, folgt allerdings dem Modell eines schwachen Ethikrats, welchem keinerlei Handlungskompetenz zukommt, sondern ausschließlich eine Beratungsfunktion. Die Piloten dürfen anderen Tipps beim Fliegen geben. Beruhigenden Flug Ihnen! 

Wohin soll die Reise gehen - und wer übernimmt das Steuer? Unsere Autorin Cindy Roberts plädiert für mehr Handlungskompetenz für Ethikräte.

IBM hält bislang hingegen an einer eher fragwürdigen Ethik fest. IBM setzt nämlich die Gesichtserkennungs-Technologie bspw. zur Bekämpfug von Drogenkrieg auf den Philippinen ein. Dabei mag die eingesetzte Technologie, d.h. Software selbst vielleicht ethisch korrekt sein, d.h. ohne bislang festgestellten „bias“, der Einsatz dieser Technologie bleibt jedoch, je nach Einsatzgebiet, dennoch ethisch umstritten.

Wie in einem vorheriger Artikel im zem:dg bereits beschrieben, ist die kürzlich entstandene Diskussion um den Vorwurf des „ethics-washing“ zwischen Thomas Metzinger und Christoph Lütge, hinsichtlich der EU-Leitlinien zu einer vertrauenswürdigen KI gerade nicht verwunderlich, sondern notwendig. Lütge verwies in einem Artikel im Tagesspiegel darauf, dass es um Ethikrichtlinien für KI zu gestalten, in seinen Augen, als Experte der High Level Expert Group, nicht unbedingt Ethiker entscheidend seien. Vielmehr stehen nach Lütge auch die Einbeziehung der Konzerne, d.h. pluraler Interessen im Vordergrund, da er sonst letztlich die Umsetzung dieser gefährdet sehe. Hingegen wurde von Lütge’s Kritiker, Metzinger Besorgnis bzgl. „ethics-washing“ geäußert und die Ethikleitlinien der EU zur vetrauenswürdigen KI als „fake-ethik“ bezeichnet. Auch dieser bemängelte sowohl die Anzahl und damit den mangelnden Einfluss von Ethikern innerhalb der EU Expertengruppe, als auch das Ergebnis. Dieses sei oberflächlich und die Ethikleitlinien mehr zu einer Verschönerung einer Investitionsstrategie verkommen. Metzinger forderte folglich, das Ruder in der Debatte wieder aus den Händen der Industrie und Wirtschaft zurück in die Hände der Zivilgesellschaft zu geben.

Der Streit um das Pilotenteam ist also brandaktuell. Anna-Verena Nosthoff und Felix Maschewski appellieren daher in ihrem Artikel zu einer entspannten aber kritischen Haltung gegenüber der nur all zu frohlockend klingenden Botschaft der großen Technikkonzerne, sich von nun an strikte, ethische Selbstregulierung aufzuerlegen. Diese haben angeblich plötzlich erkannt, dass dies das ethisch Richtige sei und wissen zumal darum, dass Vertrauen ein wertvolles Gut ist. Eine kritische und vernünftige Haltung jedoch ebenso, und dieser Flug geht uns alle etwas an!

Der Weg zu substanziellen Ethikleitsätzen für einen vetrauensvollen Umgang mit KI bleibt somit spannend. Anna-Verena Nosthoff und Felix Maschewski fordern in ihrem Artikel dazu auf, die Zivilgesellschaft, insbesondere die Techniker selbst entsprechend im Umgang mit KI zu schulen. Ebenso scheint es sinnvoll, den Ethikräten mehr Handlungskompetenz einzuräumen und den entsprechend ausgebildeten Piloten hierfür das Steuer zu überlassen nämlich Ethikern und Philosophen.

Pragmatisch vs. Prinzipiengeleitet

Die Debatte über die ethischen Leitlinien für KI der EU-Expertengruppe „High Level Expert Group on Artificial Intelligence (AI HLEG)“.

Hintergrund

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine umfassende, sich ständig fortentwickelnde Technologie, die immer mehr Aspekte unseres Lebens berührt. Darunter auch zentrale Werte wie menschliche Freiheit, Würde und Gleichheit, die zugleich als Grundlage der Menschenrechte sowie als Säulen demokratischer Verfassungen fungieren.

Aus diesem Grund, sind Regelungen notwendig, die diese zentralen Werte schützen und sicherstellen können. Dies bezieht sich mitunter auf Fragen des verantwortungsvollen Umgangs mit den von Künstlicher Intelligenz genutzten, notwendigen Daten, oder z.B. direkt auf Mensch-Maschine Interaktionen.

Die EU hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, das Vertrauen in eine auf den Menschen ausgerichtete KI zu stärken und hierfür eine Expertengruppe berufen, um Ethik-Leitlinien für KI auszuarbeiten. Letzten Monat hat diese Expertengruppe diese Leitlinien veröffentlicht. Im Rahmen der Diskussion um dieses Thema, gibt es bislang divergierende Ansichten, sodass sich eine Debatte ergeben hat, an der mitunter Thomas Metzinger (Mitglied und zugleich Kritiker der Expertengruppe) und Christoph Lütge (Direktor des neuen Instituts für KI-Ethik an der TU München) hinsichtlich verschiedener Aspekte von Künstlicher Intelligenz zur Erarbeitung und Umsetzung adäquater ethischen Leitlinien mitwirken.

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine umfassende, sich ständig fortentwickelnde Technologie, die immer mehr Aspekte unseres Lebens berührt.

Im Rahmen der Debatte verweist Christoph Lütge daher darauf, dass Menschen aufgrund der angestiegenen Komplexität zunehmend dazu gezwungen sind, auf Technologie zu vertrauen. Während Metzinger „Vertrauenswürdigkeit“ als menschliche Eigenschaft auffasst und KI das Attribut „vertrauenswürdig“ ganz abspricht sowie eine Gefahr darin sieht, dass anhand von KI Regierungen, oder Unternehmen (etc.) noch mehr Spielraum eingeräumt wird, um noch weniger vertrauenswürdig zu handeln, sieht Lütge dies pragmatischer. Vielmehr verweist Letzterer auf die positiven Erfolge, die bislang mit dem Einsatz von Programmen und Software-Einsätzen im z.B. Compliance-Bereich bei Unternehmen erzielt werden konnten.

Grundsätzlich stimmen beide also darin überein, dass zukünftig Menschen auf KI zurückgreifen werden, jedoch weisen beide, aufgrund unterschiedlicher ethischer Ausrichtungen in ihren Darlegungen, unterschiedliche Zukunftsprognosen im Umgang mit KI auf.

Ethics Washing

Der Vorwurf Metzingers des „Ethics Washing“ ist, dass Ethik zur Verschönerung von wirtschaftlichen Investitionsstrategien genutzt wird und die Wirtschaft, die notwendige Debatte initiiert und organisiert, die letztlich zivilgesellschaftlich stattfinden sollte. Damit kommt es zur Ablenkung und zeitlichen Verzögerungen, wodurch tatsächliche Regulierungen gerade unterbunden würden. Metzinger sieht indessen die Debatte um vertrauenswürdige KI, welche nach ihm zivilgesellschaftlich geführt werden sollte, daher von der Wirtschaft als signifikant untergraben an. Diese verwende Ethik vielmehr als „Verschönerung“ d.h. dazu, die notwendigen Investitionen in KI wirtschaftlich voran zu treiben und möchte dabei möglichst wenig substanzielle ethische Richtlinien vorgegeben bekommen, d.h. unreguliert bleiben.

Lütge nimmt in diesem Zusammenhang des „Ethics Washing“ Bezug auf eine grundlegende Unterscheidung nämlich der Motivation und der Folge einer Handlung. Er spricht von einer Gruppe von Kritikern (vermutlich darunter auch Metzinger), die Unternehmen aufgrund ihrer Motivation oft kritisiere, ungeachtet möglicher positiver Folgen für die Gesellschaft. Ethisches Handeln sei in Lütges Augen nicht zwingend von der „richtigen Gesinnung“ abhängig bzw. würde man auf die Motivation (der Unternehmen) alleine fokussiert bleiben, würden keinerlei (gesellschaftliche) Veränderungen erzielt werden können.

Es scheint also, dass während Metzinger auf die Prinzipien bzw. die Motivation ethischen Handelns, oder Leitlinien hierfür fokussiert ist, Lütge wohl nahezu ausschließlich auf die Folgen von Handlungen konzentriert ist (oder dies als Kriterium für substanzielle ethische Prinzipien gelten lässt). Dies wirft jedoch gerade in Demokratien entscheidende Fragen auf, die wohl zu bedenken sind.

Einbindung von Ethikern

Ein weiterer Diskussionspunkt der Debatte ist die Einbeziehung von Ethikern in die Expertengruppe zur Formulierung der KI-Richtlinien. Metzinger kritisiert die von der EU eingesetzten Expertengruppe dahingehend, dass darin zu wenig Ethiker eingebunden seien, um ethische Richtlinien zu generieren. Einerseits betont er zwar die Notwendigkeit der Expertise anderer Bereiche, bemängelt jedoch zugleich die Anzahl der Ethiker insgesamt als zu gering (vier von 52 Mitgliedern). Metzinger bemerkt zudem, dass die anfangs von den Experten formulierten Roten-Linien hinsichtlich des Umgangs mit KI, also was nicht mit dieser geschehen solle (z.B. Einsatz autonomer tödlicher Waffensystemen auf KI basierend) letztlich signifikant abgeschwächt, oder ganz aus der veröffentlichten Version der Ethik-Leitlinien der KI gestrichen wurden.

Demgegenüber vertritt Lütge die Ansicht, dass gerade über Ethik-Richtlinien nicht nur Ethiker entscheiden können und sollten. Die Einbindung von Unternehmen (neben Wissenschaft, Zivilgesellschaft, politischen Akteuren) bei der Findung und Formulierung ethischer Leitlinien zeigt sich als notwendig für die realistische Umsetzung ethischer Leitlinien für die KI. Würde man wie oben erwähnt nur die Motivation der Unternehmen beurteilen, beschwört Lütge gar einen Teufelskreis des (wirtschaftlichen) Stillstands, indem keinerlei Fortschritt oder gar Verbesserung erzielt werden könne. So sieht er die Einbeziehung möglichst aller Interessen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik als gleichberechtigt und grundlegend wichtig an.

Zu Richtlinien selbst

Im Rahmen von KI und deren Wirkungskreis, sind die erwähnten Aspekte grundlegend und wir Menschen haben schließlich zu entscheiden, inwieweit Maschinen über Menschen und inwieweit Menschen über Maschinen entscheiden.  Hierfür sind wohlüberlegte, substanzielle ethische Leitlinien essentiell. Metzinger verweist auf die internationale Ebene, in der nur wenige Jahre blieben, um europäische Richtlinien überhaupt niederzuschreiben und verteidigen zu können. Sicherlich lassen China, die USA und der Rest der Welt nicht auf sich warten.

So scheint es sinnvoll, dass zum einen auf die Einbeziehung von diversen Interessensgruppen hinsichtlich der Umsetzung ethischer Leitlinien geachtet wird, da nur so ethische Richtlinien auch effektiv umgesetzt werden können. Allerdings sollten hierbei die Rechte und Interessen der Zivilbevölkerung besonders geschützt werden sowie demokratische Grundwerte unangetastet bleiben. Aus diesem Grund sollte der substanzielle Gehalt ethischer Leitlinien (für vertrauenswürdige KI) nicht leiden. Eine zivilgesellschaftliche Debatte über ethische Prinzipien von KI ist dabei in jedem Fall von grundlegender Bedeutung; nicht nur damit zivilgesellschaftliches Bewusstsein hinsichtlich des Umgangs mit KI erst einmal entstehen kann, sondern auch Interessen der Zivilgesellschaft artikuliert werden können. 

Des Weiteren kommt es auf differenzierte Unterscheidungen bei der Formulierung angemessener ethischer Leitlinien an. So scheint es sinnvoll und notwendig, je nachdem um welche Software es sich handelt, welche Art KI-System eingesetzt wird, welche Daten hierfür wie verwendet werden und welcher Lebensbereich davon betroffen ist, entsprechend differenzierte Regelungen und ethische Leitlinien zu finden.

Dies funktioniert nur mit Richtlinien, die vom Generellen zum Konkreten reichen. Sind die ethischen Leitlinien zur KI also nur als erster Entwurf beim Versuch vom Allgemeinen zum Konkreten zu kommen zu werten, dann sind diese legitim. Ist dies schon als konkretes Endresultat zu verstehen, wovon wir nicht ausgehen können, ist dies jedoch kein ernst zu nehmender Versuch aus Perspektive der Ethik, substanzielle und damit ernsthaft vertrauenswürdige KI-Ethik-Richtlinien zu gestalten.

Diskussion und Konklusion(en)

Ungeachtet dessen, dass sie unterschiedliche Meinungen vertreten, diskutieren beide Autoren wichtige Aspekte hinsichtlich der Debatte um KI-Anwendungen.

Insgesamt lässt sich nur anhand vertrauenswürdiger ethischer Prinzipien, auch vertrauenswürdige KI generieren. Um substanzielle ethische Leitlinien für vertrauenswürdigen und verantwortungsvollen Umgang mit KI, bedarf es natürlich diverser Akteure; nicht nur aus Wirtschaft, Politik, der Zivilgesellschaft, oder Wissenschaft, sondern gerade aus Letzterer nun einmal Philosophen und Ethiker. Überdies könnten schließlich solche europäischen Leitlinien der KI als Standard und als europäische Marke im KI-Bereich international als Chance verstanden und gehandelt werden. Gerade gegenüber China und den USA sollte die EU daher eher mit starken ethischen Leitlinien zur KI „antreten“. Womöglich ist dies gerade ein „selling-point“ im internationalen KI-Wettbewerb, der Europa (noch) vorbehalten ist.

Substanzielle ethische Leitlinien der KI zu formulieren scheint gerade bei diesem Vorhaben in der Tat essentiell. Vor allem in demokratischen Gesellschaften, in denen sowohl Motivation als auch Folgen von Handlungen grundsätzlich hinterfragt werden sollten. Die Interessen der Zivilgesellschaft zu schützen und Grundwerte wie Autonomie und Menschsein durch authentische und damit tatsächlich vertrauenswürdige ethische Prinzipien zu gewährleisten, darf dabei nicht unterschätzt werden. Nur so kann Vertrauen in KI gelingen. Denn ein zentraler Aspekt hinsichtlich KI ist, bleibt und wird auch weiterhin eines sein – nämlich menschliches Vertrauen.