Susanna Endres

Susanna Endres

Susanna Endres ist seit Februar 2017 Mitarbeiterin des zem::dg.

Prof. Dr. Alexander Filipović im Porträt

Prof. Dr. Alexander Filipović, Leiter des zem::dg Foto: SJ-Bild, Leopold Stübner

Die aktuelle tv diskurs stellt Prof. Dr. Alexander Filipović in einem ausführlichen Porträt vor. In dem Artikel schildert Autor Alexander Grau nicht nur, wie der Leiter des zem::dg seine Leidenschaft für den Gegenstandsbereich der Medienethik fand, sondern auch, welche Perspektiven er auf aktuelle Fragestellungen und Problembereiche hat:

Inwieweit dürfen Journalisten etwa Partei ergreifen? Wie ist Öffentlichkeitsarbeit aus medienethischer Sicht zu bewerten und welche Funktion hat sie für die Gesellschaft?

Fragen wie diesen geht der Artikel nach und zeichnet dabei die persönlichen Sichtweisen des Medienethikers nach. Dass diese keine konkreten Handlunganweisungen beinhalten, sondern vielmehr verschiedene Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, liegt in seinem Selbstverständnis als Wissenschaftler und Ethiker begründet: „Es ist so etwas wie ein Credo der ethischen Arbeit, dass der Ethiker kein Politiker ist. Er kann und soll Kriterien für mögliche Handlungsoptionen
an das Ende seiner Analyse stellen. Ob diese dann aber umgesetzt werden oder wie, ist nicht mehr Sache des Wissenschaftlers, sondern bleibt der Politik überlassen, die demokratisch legitimiert ist.“

Das vollständige Porträt finden Sie auf der Internetseite der Zeitschrift tv diskurs.

 

Big Data im Diskurs

Was sind die wesentlichen Facetten und Entwicklungen von Smart Health und mHealth und wie hängen sie zusammen? Welche Chancen, welche Risiken sind mit diesen Aspekten verbunden und wie lassen sie sich ethisch bewerten?

Diesen Fragen geht die politische Akademie Tutzing in einem neuen Forschungsprojekt nach und vergibt hierzu Stipendien an motivierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen IT und Journalismus, Medizin, Philosophie und Rechtswissenschaft sowie Bildung und Sozialwissenschaften.

Ethische Fragestellungen, die mit Big Data auch Einzug in den Medizin- und Gesundheitsbereich genommen hat stehen im Zentrum des Diskurses: Datenschutz, Sanktions- und Manipulationsmöglichkeiten sind hierbei Schlagwörter, die die Schattenseiten der neuen Technik aufzeigen. Wie ist mit diesen umzugehen? Wie stehen sie im Verhältnis zu den Vorteilen, die Big Data für den Gesundheitssektor bedeutet?

Nähere Informationen zum Forschungsprojekt und zur Stipendienausschreibung finden Sie auf der Internetseite der Tutzinger Akademie.

Grundpositionen und Kommunikationsstrategie der Partei „Alternative für Deutschland“ in der Beurteilung

Studie des ICS Münster und des zem::dg München/Eichstätt stellt tiefgreifende Differenzen der AfD zu christlichen Grundoptionen heraus

Wie verhalten sich grundlegende Positionen, politische Zielsetzungen und die Kommunikationsstrategien der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) zu den Positionen der katholischen Soziallehre? Dieser Fragestellung ging ein Team des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften in Münster (ICS) zusammen mit unserem Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg) nach. Neben dem Grundsatz-, sowie dem Bundestagswahlprogramm der Partei wurden dabei auch die Kommunikationsstrategie der Partei anhand einer Analyse ausgewählter Reden von ParteifunktonärInnen sowie ihrer Social Media-Strategie untersucht.

Das AutorInnen-Team – bestehend aus Marianne Heimbach-Steins, Alexander Filipović, Josef M. Becker, Maren Behrensen und Theresa Wasserer – zeigt, dass in vielen Bereichen maßgebliche Differenzen zwischen den gegenübergestellten Positionen bestehen.

Programm und Kommunikationsstrategie der AfD als Thema der Medienethik

Als medienethische Herausforderung kann dabei primär der Umgang der AfD mit den so genannten Social Media betrachtet werden: So nutzt die AfD soziale Netzwerke (vor allem Facebook) sehr intensiv und erzielt deutlich mehr Resonanz auf diesen Plattformen als andere Parteien. Im Gegensatz zu anderen Parteien lassen sich hierbei für die AfD Echokammereffekte nachweisen. AfD-Sympathisanten auf Facebook bilden eine homogene, nur innerhalb „rechter“ Gruppierungen vernetzte Gemeinschaft. Problematisch hieran ist, dass Echokammern und Filterblasen gesellschaftlich gesehen eine antidiskursive Wirkung attestiert werden kann.

Der Umgang der Medien und der Journalisten mit der AfD ist schwierig – die Problematik wurde jüngst von Bernd Gäbler beschrieben, der (Mit-)Autor einer in Kürze veröffentlichten Studie der Otto-Brenner-Stiftung ist. Wie in unserer ICS/zem::dg-Expertise geht es offenbar in der Studie ebenfalls um die Bestimmung eines kritischen Begriffs des Populismus und dessen kommunikationsstrategische Umsetzung (siehe dazu den Beitrag beim Deutschlandfunk).

Ziel der Untersuchung

Ausgangspunkt für die Vergleichsstudie waren eine Bitte und Anregung der Bevollmächtigten der katholischen Bischöfe gegenüber den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Ziel der Untersuchung ist es, Orientierungen für eine christlich fundierte Urteilsbildung und Hilfestellungen für den Umgang mit inhaltlichen und kommunikativen Herausforderungen anzubieten, denen Christinnen und Christen in der Auseinandersetzung mit den Positionen und dem Politikstil der AfD begegnen.

Vom Team des zem::dg haben Alexander Filipović (Co-Leiter des zem::dg, Lehrstuhl für Medienethik München) und Theresa Wasserer (Lehrstuhl für Medienethik München) mitgearbeitet. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der Reihe der Sozialethischen Arbeitspapiere des ICS (ICS-AP Nr. 8) veröffentlicht.

Die vollständige Studie, eine Zusammenfassung sowie weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des ICS.

Katastrophen und Medienethik

„Nicht allen kann alles zugemutet werden“, Medienethiker Prof. Dr. Filipović im Interview

von Elena Lorscheid unter Inside

Prof. Dr. Filipović, Kommunikations- und Medienethiker an der Hochschule für Philosophie in München, berichtet für blmplus, welche Schutzpflicht es jüngeren Lesern und Zuschauern gegenüber gibt und inwiefern die Kultur der Toten auch unsere Kultur der Menschenwürde betrifft. Am 10. Mai 2017 diskutiert er auf der 3. Fachtagung Jugendschutz und Nutzerkompetenz zum Thema „Bilder, die Angst machen – Katastrophen und Krisen in den Medien“ #jsft17.
„Tote Menschen sollten in Großaufnahmen überhaupt nicht abgebildet werden“, so Prof. Dr. Filipović

Hinweis:
Dieses Interview wurde ursprünglich auf dem Blog der Bayerischen Landeszentrale
für neue Medien veröffentlicht. Den Originalbeitrag finden Sie unter diesem Link.

Veröffentlichen oder nicht veröffentlichen? Alexander Filipović empfiehlt Zurückhaltung, eine sorgfältige Abwägung und eine sensible Berichterstattung.

Katastrophen und Medienethik – wie geht das zusammen?
Katastrophen fordern das Medienhandeln extrem heraus. Das gilt für Journalisten genauso wie mittlerweile auch für die Internet-Nutzer, die ja nicht mehr nur passive Akteure sind, sondern die öffentliche Kommunikation mitgestalten. Die Medienethik beobachtet die Strukturen und das Verhalten von Akteuren in Katastrophen-Zusammenhängen, kritisiert dies unter Umständen und versucht Verbesserungsvorschläge zu machen.

Katastrophen, Terror und Krisen gab es schon immer. Welche Kriterien sollte die journalistische Berichterstattung darüber heute aus medienethischer Sicht erfüllen, und warum?
Bei Katastrophen kommen Menschen zu schaden, es entsteht Leid. Die Berichterstattung darüber muss sensibel geschehen. Die Würde aller Beteiligten ist ein wichtiges Kriterium. Allerdings, und das ist das zweite Kriterium, gibt es auch eine journalistische Pflicht zur Berichterstattung: Journalisten können Nachrichten nicht deswegen unberücksichtigt lassen, weil es schreckliche Nachrichten sind.

Aber auch hierbei, das ist das dritte Kriterium, muss der Faktor Zumutbarkeit zählen: Nicht allen kann alles zugemutet werden, also etwas Bilder mit Toten oder leidenden Kindern. Es gib eine Schutzpflicht mindestens jüngeren Lesern und Zuschauern gegenüber. Das vierte Kriterium ist der verantwortliche Umgang mit den eigenen Zielen. Dass man sich nicht gemein machen soll mit den Gegenständen der Berichterstattung ist nur die halbe Wahrheit. Journalisten verpflichten sich auf Menschenrechte, stehen ein für Frieden und Gerechtigkeit. Dies kann durchaus die Berichterstattung prägen.

Welche positiven und negativen Beispiele aus jüngster Zeit fallen Ihnen in diesem Zusammenhang ein?

In letzter Zeit der Germanwing-Absturz, der Terroranschlag von Nizza und der Anschlag von München. Im ersten Fall wurde beispielsweise Trauernden zu nahe gerückt, im zweiten Fall haben einige Anwesende Tote und leidende Verletzte gefilmt und die Inhalte ins Netz gestellt und im letzten Fall war man Zeuge einer Überforderung der Menschen mit der Echtzeitkommunikation.
„Neben den rechtlichen Grenzen der Berichterstattung sollen auch die moralischen nicht vergessen werden“

Zur Informationspflicht kann es gehören, Bilder zu veröffentlichen, die insbesondere Kindern Angst machen. Kann hier eine bessere Bildlesekompetenz den jungen Mediennutzern weiterhelfen?

Sicher. Aber der Ruf nach mehr Kompetenz verlagert die Lösung für ein Problem an den Einzelnen und die Erzieher. Der Ruf nach mehr Medienkompetenz darf nie ohne engagierte Lösungen für die politische Regulierung auch von Inhalten erfolgen. Und schließlich sollen neben den rechtlichen Grenzen der Berichterstattung auch die moralischen Grenzen nicht vergessen werden. Das nimmt vor allem die Journalisten in die Pflicht.

Vor allem auf den sozialen Netzwerken verbreiten sich schnell eine Vielzahl ungefilterter schrecklicher Bilder und Videos von privaten Nutzern. Worauf sollten die Urheber aus medienethischer Sicht achten?

Generell geht es darum, die Folgen des eigenen Veröffentlichens zu überschauen und einzubeziehen in die Entscheidung, poste ich das jetzt oder nicht. Bei Katastrophenbildern oder Videos sind die Folgen unmittelbar bei oder nach der Katastrophe schwer abzuschätzen. Generell empfehle ich Zurückhaltung und eine sorgfältige Abwägung, bevor irgendetwas bei Katastrophen gepostet wird. Das gilt auch für WhatsApp-Gruppen.

Wo fängt die Verletzung der Menschenwürde bei solchen Bildern an?

Tote Menschen sollten in Großaufnahme überhaupt nicht abgebildet werden. Das betrifft nicht nur die Würde der Toten sondern auch unsere Kultur der Menschenwürde. Das Leid vereinzelt den Menschen, stellt ihn bloß in seiner Hilflosigkeit. Welchen Zweck verfolgt die Veröffentlichung solcher Bilder? Ich will nicht sagen, dass es nicht sinnvoll sein kann, solche Bilder zu veröffentlichen. Es ist letztlich eine Abwägung. Das ist typisch für die Ethik. Es geht nicht um eine 100%-Regel. Es geht um Argumente, was richtig und gut ist und sein soll. Der Ethiker plädiert dafür, dass diese Diskussion dauernd stattfindet und nicht in „Alles geht“ aufgelöst wird oder nur das Recht in Betracht gezogen wird.

Terminhinweis:
Am 10. Mai 2017 diskutiert Prof. Dr. Filipović auf der 3. Fachtagung Jugendschutz und Nutzerkompetenz zum Thema „Bilder, die Angst machen – Katastrophen und Krisen in den Medien“. Alle Informationen zur Veranstaltung gibt es hier.

Neu im Netz: zemdg.de – Abonnieren Sie unseren Newsletter

Bereits im November des vergangenen Jahres fand die feierliche Eröffnung des Zentrums für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg) statt. Umso mehr freut es uns, dass das Zentrum nun auch seine digitale Heimat gefunden hat. Auf unserer Internetseite finden Sie alle relevanten Informationen rund um das Zentrum, Stellungnahmen zu medienethischen Fragen, aktuelle Forschungsprojekte, Publikationshinweise und Angebote aus dem Bereich der Bildung.

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Integration durch Medien?

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk diskutiert Prof. Dr. Alexander Filipović inwieweit Medien eine integrierende Wirkung entfalten können. Dass mit der zunehmenden Verschiebung des öffentlichen Diskurses hin zu den sozialen Medien wie Twitter, Facebook oder aber auch Whats App zunehmend auch die Leserinnen und Leser selbst zur allgemeinen Meinungsbildung beitragen können, werfe neue Fragen im Hinblick auf Medienkompetenz auf.
Welche Möglichkeiten die klassischen Massenmedien haben um diesen Prozess positiv zu beeinflussen und was genau mit der Forderung nach Integrationsleistung der Medien gemeint ist können Sie im Interview online unter diesem Link nachhören.